Private Plattformen zur Zimmervermietung wie Airbnb, 9flats oder wimdu boomen. Was in Großstädten wie München oder Berlin längst als Bedrohung für den lokalen Wohnungsmarkt wahrgenommen wird, erfreut sich auch auf dem Land zunehmender Beliebtheit. Doch wer mit seinem ungenutztem Wohnraum Geld verdienen will, der sollte sich vorher genau über die regionalen gesetzlichen Besonderheiten informieren.

Das Geschäft brummt, besonders zur Wiesn-Zeit. Bis zu 2 Millionen erwartete Besucher. Hotels sind seit Wochen ausgebucht. Selbst eine Übernachtung im Mehrbettzimmer (Hostel) kostet während dem Oktoberfest gute 100-150 Euro pro Nacht. Kein Wunder, dass Besucher gerne günstigere – oder zumindest bequemere – Alternativen bevorzugen. Über Airbnb, 9flats oder wimdu lassen sich in den Festwochen etliche Zimmer und Wohnungen in und rund um München finden.

Die Preise pro Nacht liegen im Schnitt bei circa 170 Euro und gehen bis weit über 1.000 Euro. Die Anbieter überbieten sich und hoffen auf das große Geschäft. Das Geschäftsmodell von Airbnb ist mittlerweile so erfolgreich, dass Großstädte wie Berlin, Hamburg, München oder Dortmund bereits reagiert haben. Der Markt wächst rapide. Agenturen wie Airbnb bieten in München bereits 9000 Unterkünfte (Stand: April 2017) an, die privat an Touristen vermietet wurden. Nur zum Vergleich: Im Mai 2015 waren es 5.000 Kurzzeitwohnungen.

Doch längst geht es bei Vermietungen via Online-Plattformen nicht mehr nur um die kurzzeitige Vermietung von ungenutztem Wohnraum in der eigenen Wohnung. Gerade in Städten existieren zahlreiche Anbieter, die ihren Wohnraum exklusiv an Touristen vermieten, da sich darüber ein vielfaches von dem erzielen lässt, was sonst mit konventioneller Vermietung an Langzeitmieter zu holen wäre. Das ist in Städten wie München schlichtweg: verboten. So greift in der Landeshauptstadt mittlerweile eine sogenannte “Zweckentfremdungssatzung”, die verhindern soll, dass immer mehr Einheimische um immer weniger Wohnungen konkurrieren müssen. Eine Zweckentfremdung liegt in München dann vor, wenn Wohnraum zum Beispiel beruflich oder gewerblich genutzt wird, oder länger als drei Monate leer steht.

Es drohen hohe Bußgelder

Die Stadt München geht derzeit auch verstärkt gegen illegale Vermietungen vor. Ein Sonderermittlungsteam recherchiert auf Onlineportalen, um Zweckentfremdungen aufzuspüren. Wer dabei erwischt wird, eine komplette Wohnung dauerhaft zu vermieten, muss mit hohen Geldstrafen oder sogar einer Haftstrafe rechnen.

Wie unlängst geschehen im Juli 2017: Über Monate hinweg hatte ein Münchner Bürger seine Wohnung illegal untervermietet. Zwischen 200 und 300 Euro verlangte er von Touristen für eine Nacht in seinem Appartement. Da der Zimmervermieter seine „hotelähnliche” Nutzung seiner Räumlichkeiten nicht aufgeben wollte, verdonnerte ihn das Münchner Sozialreferat zu einer einwöchigen Ersatz-Zwanghaft. Der Bayerische Verwaltungsgerichtshof (VGH) hatte diese Maßnahme zum ersten Mal ergriffen und damit ein deutliches Exempel statuiert.

 

Wer seinen Wohnraum über Vermietungsplattformen für kürzere Zeiträume vermieten will, sollte sich bei seinem Bezirksamt erkundigen. Dort kann man sich die offizielle Erlaubnis einholen. Quelle: pixabay.com

 

Doch schon im Mai hatte der Landtag die Strafen deutlich verschärft. Im Münchner „Verbot der Zweckentfremdung von Wohnraum” (ZeS) steht verkürzt: Es bedarf einer Genehmigung der Stadt, um eine Ferienwohnung dauerhaft zu vermieten. Wer diese nicht hat, muss mit einem Bußgeld von bis zu 50.000 Euro rechnen.

Je nach Region gelten verschiedene Regelungen

Die Gesetze sind längst nicht überall so streng wie in der Landeshauptstadt. Im bayerischen Oberland gelten je nach Region verschiedene Regelungen. Wer also vorhat, seinen Wohnraum über Vermietungsplattformen des Öfteren für kürzere Zeiträume zu vermieten, sollte sich bei seinem zuständigen Bezirksamt erkundigen. Dort kann man sich – falls überhaupt erforderlich – die Kurzzeitvermietung ganz offiziell genehmigen lassen.

Zum Beispiel ist es in München völlig in Ordnung, eine ganze Wohnung bis zu acht Wochen im Jahr zu vermieten. Seine Wohnung mit jemandem zu teilen ist ebenso gestattet: Dabei dürfen Zimmer beliebig lang vermietet werden – vorausgesetzt, dass man selbst in der Wohnung lebt.

Abgesehen davon gelten universale Regeln, die überall in Bayern eingehalten werden müssen. Wenn Sie selbst Mieter sind, sind sie laut Paragraf 540 Bürgerliches Gesetzbuch (BGB) verpflichtet, die ausdrückliche Erlaubnis Ihres Vermieters einzuholen, bevor Sie Ihr Zimmer für kurze Zeiträume weiter vermieten dürfen.

Außerdem müssen die Einnahmen durch Vermietungen über Internetplattformen in der Steuererklärung angeben werden. Ob Steuern anfallen, oder nicht hängt allerdings von individuellen Faktoren ab – Einkommen, Steuerklasse, etc. Gewerbesteuern hingegen müssen erst dann entrichtet werden, wenn die Untervermietung mehr als 24.500 in ihre private Kasse spült.

Wer also zur nächsten Wiesn 2018 ebenfalls vorhat, seinen Wohnraum gewinnbringend an temporäre Touristen zu vermieten, der sollte sich vorab lieber gut informieren. Das letzte Wort des Gesetzgebers ist im Falle Airbnb und co. sicherlich noch nicht gesprochen.

Und wer möchte während dem Oktoberfest schon hinter schwedischen Gardinen sitzen? Massn’ und Hendl’ gibt es dort jedefalls nicht – auch nicht zur Wiesnzeit.